Sehr geehrte Damen und Herren!
Ein Fahrrad ist aus Prinzip ein Gegenstand, der gut repariert werden kann. Es gibt Verschleißteile, die mit relativ geringem Aufwand getauscht werden können und fachkundige Hände können selbst "Fahrradleichen" noch retten. Der Reparaturbonus war für Fahrradwerkstätten und Fahrradgeschäfte eine überraschende, sehr positive Maßnahme. Viele Fahrräder konnten repariert werden, wieder in fahrbaren Zustand gebracht werden, in einen Zustand, in dem das Fahren mit diesen Rädern sicher ist und Freude macht.
Als einer der Kernbestandteile der dringend notwendigen Mobilitätswende ist es wichtig, dass möglichst viele Autofahrten vermieden und zum Beispiel durch Radfahrten ersetzt werden. Auch die bekannten positiven Effekte des Radfahrens auf Gesundheit und Wohlbefinden sprechen dafür.
Als im Mai 2025 genauso überraschend und mit de facto keinem Vorlauf der Reparaturbonus für Fahrräder ausgesetzt wurde, war das Unverständnis groß. Eine Begründung, wieso der Reparaturbonus gerade für Fahrräder gestrichen wurde, gab es nie, der Geräteretter-Bonus ist für Fahrräder nicht vorgesehen.
Wenn es sich um eine Sparmaßnahme handelt, dann ist sie sehr schlecht gewählt. Mit relativ geringen finanziellen Aufwand erreicht man relativ viel. Auch im Sinne der Mobilitätswende ist die Streichung des Reparaturbonus schlicht ein Fehler.
Was aber noch dazukommt: Wie sollen Geschäfte wie wir in Zukunft planen? Wir haben seit der Streichung des Reparaturbonus einen deutlichen Rückgang an Werkstattumsatz. Das Investment, das wir in Personal (unter anderem Lehre) und Ausstattung getätigt haben, ist bereits ein halbes Jahr nach Ankündigung wieder auf Sand gebaut. Für den Wirtschaftsstandort Österreich ist diese Art von Politik und der ständige Wechsel, die ständige Unsicherheit eine Katastrophe.
Der Einzelhandel und lokale Dienstleistungen kämpfen seit Jahren. Lokale Dienstleistungen bedeuten nicht nur lokale Wertschöpfung, sondern vor allem auch lokale, nachhaltige Arbeitsplätze. Gerade Fachwerkstätten werden auch in einer Zukunft, die von Globalisierung und potentiell einer KI-Industrialisierung geprägt sein wird, weiterhin einen wichtigen Beitrag zur Wirtschaftsleistung, aber auch zur sozialen Sicherheit beitragen können. Wenn es sie noch geben wird.
Gerade in Zeiten einer Wirtschaftskrise, und wir glauben, wir befinden uns in einer solchen, ist es auch keine Alternative, zu sagen: "Sollen die Leute halt ein neues Rad kaufen, davon profitiert der Handel ja auch!" De facto keine neuen Fahrräder werden in Österreich hergestellt, ganz davon abgesehen, dass die Kaufkraft eines immer größer werdenden Teils der Bevölkerung Ausgaben dieser Größenordnung nicht zulassen.
Mit dem Reparaturbonus hätte man eine Maßnahme, die viele sinnvolle Effekte erzeugt und es Werkstätten und Shops wie Starbike ermöglicht, nachhaltig zu wirtschaften. Allein durch die Werbung für den Reparaturbonus wird das Bewusstsein bei vielen geschaffen, dass sich eine Reparatur oft auszahlt und ein Neukauf nicht notwendig ist.
Eine (vor allem geförderte) Reparatur ist eine verhältnismäßig kleine Ausgabe, um noch viel Leben aus einem Fahrrad herauszuholen. Es spricht aus unserer Sicht wirklich nichts Vernünftiges dagegen, diese günstigen Reparaturen nicht mehr zu ermöglichen.
Wir fordern somit die Wiedereinführung des Reparaturbonus für Fahrräder, für die Umwelt und für den Wirtschaftsstandort Österreich.
Michael Knoll / Starbike
07.01.2026
